Kaiserliche Hörspiele

Im einstigen Kaiserbahnhof in Joachimsthal, 60 Kilometer nördlich von Berlin Mitte, lauschten die Besucher bis Mitte September dieses Jahres Theodor Fontane, Stefan Heym und Christoph Hein. Der historische Bahnhof verwandelte sich bereits im Jahr 2006 zum ersten Hörspielbahnhof Deutschlands.Hörbarer Zeitvertreib.

Am 4. August 2006 war es so weit - die Saison im Hörspielbahnhof Joachimsthal wurde mit der Lesung des Autors Andreas Gläser eröffnet. An diesem Tag hingen ihm 150 Zuhörer an den Lippen und verfolgten die Lesung aus seinem Buch „DJ Baufresse“. Insgesamt machten 4.500 Reisende im letzten Jahr Stopp im einstigen Kaiserbahnhof, wobei 500 von ihnen im Wartesaal Platz nahmen und Hörspielen lauschten.

Die zweite Hörspielsaison wurde am 13. Juli mit einer Lesung des Schauspielers und Kriminalautors Jochen Senf alias Max Palu eingeläutet. Im hörten zirka 200 Besucher zu, als er aus seinem Roman „Nichtwisser“ vorlas. In diesem Jahr reisten insgesamt 800 Hörspielinteressierte bewusst nach Joachimsthal, um den Ohrenschmaus in der besonderen Atmosphäre zu genießen. Im Empfangssaal des Kaiserbahnhofs fanden die Lesungen statt, hier wurden auch die Hörspiele aufgeführt. Der Saal ist komplett aus dem Jahr 1898 erhalten und von einem hölzernen Tonnengewölbe begrenzt.

Der Kaiserbahnhof ist einer von zehn Kaiserbahnhöfen in Deutschland – allerdings ist er der Einzige, der außen und innen vollständig erhalten ist. Nachdem er jedoch zu verfallen drohte, kaufte die Stadt die Immobilie von der Deutschen Bahn AG auf. Die Stadt hatte von der Hörspielkirche in Federow gehört – im Gotteshaus in Mecklenburg-Vorpommern lauschen die Besucher nicht nur den Worten des Schöpfers und denen des Pastors, sondern auch Hörspielen und Lesungen (siehe HÖRBUCH REPORT Sep. 2007) und wandte sich an den Ideengeber und Initiator Jens Franke.

Die EU, das Land Brandenburg, die Wito, der Landkreis Barnim, die Stadt und die ODEG finanzierten das hörkünstlerische Projekt.Das Projekt Hörspielbahnhof im Kaiserbahnhof Joachimsthal war ein temporäres Kunstprojekt und endete am 9. September 2007.

HÖRBUCH REPORT vom 7. Oktober 2007 / Seite 28